küchenweisheiten

die schlaue rennkuh

Montag, September 1st, 2008 | Allgemeines | Keine Kommentare

rennkuh

die nachfolgenden kleinen sprüche sind sozusagen gedankenfetzen, die ich im laufe der zeit notiert habe. sicherlich nichts neues (das rad neu zu erfinden ist nicht nötig).

altes immer wieder neu zu reflektieren, aktualisieren/umzudeuten ist sinnvoller, als nach “absolut neuen” wahrheiten zu suchen.

 

  • Sprache schien mir früher das wichtigste Verständigungsmittel zu sein – allerdings stelle ich mit den Jahren fest, dass gerade die verbale Verständigung zwischen Menschen sehr viele Missverständnisse hervorrufen kann, anstatt zu klären, wird häufig durch Worte irritiert.
  • Der Spezies Mensch ist bestens ausgestattet, um in der Welt bestehen zu können, es mangelt auch nicht an Kreativität, nur fehlt ihm häufig die Freiheit, die das schöpferische Tun benötigt.
  • Erst malen, dann denken! Wenn überhaupt.
  • Meine Bilder sind der Ausdruck einer Hoffnung, dass es neben dem was wir „Wirklichkeit“ zu nennen pflegen, noch wesentlich mehr gibt.
  • Ich versuche das „Ausserwirkliche“ durch Schnelligkeit und Spontaneität einzufangen.
  • Ich habe seit ich denken kann mehr im „Innen“ als im „Aussen“ gelebt, das ist vielleicht eines der wesentlichsten Merkmale der Malerei, die Bürde der vielen einsamen Arbeitsstunden nicht nur aushalten, vielmehr geniessen zu können.
  • Für die Suche brauche ich Stille. Innen wie Aussen.
  • Im Mittelalter wäre ich wahrscheinlich Seefahrer geworden. Der Horizont zieht meinen Blick immer magisch an.
  • Mit den Jahren werde ich bescheidener. Ich brauche nur noch, Stille, Wärme, Weite und Licht. Nur wusste ich nicht, wie schwer sowas zu bekommen ist!
  • Manchmal weiss ich nicht, ist die Malerei göttliche Gnade, oder Teufelswerk. Vermutlich ist sie beides und das macht sie grad so aufregend!
  • Die Hand soll schneller malen, als der Kopf denken kann!
  • Ein Künstler sollte sich davor hüten im Mainstream mitzumischen, er sollte wohlwollend kritisch vom Rand aus zuschauen.
  • Ein Künstler geht nicht in den Ruhestand. Er stirbt einfach.
  • In meinem Leben dreht sich seit Jahrzehnten alles um die Malerei. Sonst würde ich mich wohl um mich selbst drehen müssen.
  • Schade, dass Begriffe wie Demut, Bescheidenheit allmählich aus dem alltäglichen Sprachgebrauch verschwinden. Ein Leben ohne Demut ist ein einsames Leben.
  • Gottes Wort hört man nur in der Stille. Wann wird es endlich mal still sein?
  • Gottes Wort hört man nur in der Stille. Weshalb machen Menschen immer so viel Lärm?
  • Es gibt kein gutes oder schlechtes Bild. In seiner Einmaligkeit ist jedes Bild Perfekt, wie jede Blüte, jedes Blatt.
  • Ein Bild ohne Betrachter ist zu Wirklichkeit erstarrte Farbe. Erst in der Interaktion mit einem Betrachter findet das Bild seine ursprüngliche Lebendigkeit wieder.
  • Die Physiker haben etwa zehn mal mehr, als die uns bekannten Farben entdeckt. Für diese ist der Mensch jedoch blind. Ob da wohl die Farbe der Freiheit auch darunter ist?
  • Mein Glaube an Weltbildern wurde schon sehr früh strapaziert. Ich bin als Nachkömmling einer jüdischen Familie in einem sozialistischen Land christlich-liberal erzogen worden.
  • Wenn ich an die Berliner U-Bahn denke fällt mir sofort ein:“Liebe Mutti bitte bitte, gib mir noch ´ne Paech-Brot Schnitte!“ – das waren Werbetafeln, die ersten deutschen Worte, die ich gelernt habe. Schon lange her.
  • In der U1 in Berlin – vom Schlesischen Tor nach Ruhleben – sah ich als Kind jede Menge billige Koffer, die mit irgendwas zusammengebunden waren. Die Gesichter habe ich vergessen, die Koffer sehe ich noch – sie trugen oft die Aufschrift „Ankara“.
  • Nein, ich zweifele nicht daran, dass mein Leben einen Sinn hat. Aber ich bezweifele ganz entschieden, dass ich ihn je erkennen werde.
  • Meine Kindheit in den fünfziger Jahren in Budapest ist geprägt durch die bewundernswerte Erfindungsgabe der Menschen, die permanent bemüht waren aus dem sozialistischen Mangel etwas heraus zu improvisieren, das ihnen zumindest den Anschein von Lebensqualität gab.
  • Manchmal verliere ich mich aus den Augen und denke: „Was macht da diese fremde Frau in meiner Haut?“ – dann muss ich dringend Urlaub machen.
  • Manchmal bin ich so voller Worte, dass ich ganz sprachlos werde.
  • In der Stadt, unter Menschen fürchte ich mich oft. In der Natur wird aus der Furcht im Handumdrehen ehrfürchtiges Staunen. Ein schönes Gefühl!
  • Ich bin ein fröhlicher Mensch. Was mich sehr traurig macht ist, wenn ich zusehen muss, wie kostbare Gaben verschwendet werden und Menschen vor die Hunde gehen.
  • Ich fühle mich nur einer Instanz voll und ganz verpflichtet und verantwortlich. Ansonsten versuche ich mich an die Regeln zu halten.
  • „Alt“ ist kein Schimpfwort. Es ist eine Auszeichnung!
  • Wenn ich nicht male dann lese ich viel, schaue irgendwo aus einem Fenster oder beobachte Ameisen; es gibt so viel aufregendes in der Welt!
  • Irgendjemand verglich mich mal mit einem Albatros; äusserst plump auf dem Boden, beim Fliegen allerdings ausdauernd und majestätisch. Wie wahr, wie wahr – leider verbringe ich die meiste Zeit meines Lebens auf dem Boden.
  • Auf meinem Grabstein möchte ich folgende Inschrift: „Sie hat es wenigstens versucht!“
  • Vielleicht ist die Erde eine Art galaktische Brutkammer und sie holen uns ab, wenn wir ausgewachsen sind. Aber das ist noch sehr lange hin!
  • Damit sich Ideen aus der geistigen Welt in greifbare Realität verwirklichen können muss der Künstler neben der kreativen Offenheit viel Disziplin, Kontinuität und Konsequenz einbringen.
  • Ideen zu empfangen und zu gebären erfordert eine ähnliche Form von Demut, Bescheidenheit und Urvertrauen, mit der sich die Natur ihrem Schicksal beugt, wenn sie dem Werden und Vergehen der Jahreszeiten folgt.
  • Kreativität ist eine Art offene Tür zum Weltengrund. Der Weg dorthin kann allerdings durch eine innere Hölle führen.
  • Das Altern macht mir keine Probleme. Nur die Gravitation.
  • Ich mag sehr gerne in Hotels leben, denn durch die reduzierte Anzahl der Dinge, die man mit sich führt, erhalten sie eine erhöhte Aufmerksamkeit.
  • Wer nicht die Courage hat in die Vergangenheit zu blicken, wird auch nicht mutig in die Zukunft schreiten können.
  • Zeit ist wie ein Pfannkuchen; auf die Füllung kommt es an!
  • Für mich ist das Beste am Urlaub, dass ich an einem schönen Ort endlich in Ruhe arbeiten kann.
  • Ein lebendig-intensives Bild benötigt keine Erklärungen und Begleittexte.
  • Manchmal bin ich erfüllt von einer tiefen Dankbarkeit, in solchen Momenten bekomme ich eine Ahnung von einem Sinn.
  • Wenn ich auf mein Leben zurück blicke, dann macht mich eine Sache so richtig stolz: ich habe mich von nichts und niemandem verbiegen lassen. (Obwohl es nicht immer angenehm ist ich selbst zu sein.)
  • Die Malerei ist wie der Wind, sie spricht ihre eigene Sprache.
  • Das Reisen ist umso schöner, je mehr sie mit Heimweh verbunden ist.
  • Ein Künstler ist überall ein Fremder.
  • Die Dinge, die am weitesten voneinander entfernt sind, ergänzen sich am besten.
  • In der Kunst zu leben ist wie ein Drahtseilakt über einem tiefen Abgrund; es ist äusserst schwer die Balance zu halten und die Gefahr eines Absturzes ist permanent präsent.
  • Ich bin an einem Ort dann zu Hause, wenn ich die Uhrzeit am Sonnenstand ablesen kann.
  • Ich versuche jedes Bild so zu malen, als wäre es sowohl mein erstes, als auch mein letztes.
  • Wenn man zu viele Ideen produziert besteht die Gefahr, dass man keine Kraft mehr für die Realisation findet.
  • Ich schätze alles „echte“ und verabscheue Heuchelei.
  • Dieser Planet ist kein Kuschelzoo.
  • Freiheit hat viel mehr mit Verantwortung, als mit Loslösung zu tun.
  • Mein Blick sucht überall die Freiheit der Weite.
  • Der Unterschied zwischen einem Original und einem Druck ist, wie zwischen dem Meer und einer Badewanne.
  • Die Malerei trägt und verzehrt mich.
  • Gott ist nicht tot, er schaut nur manchmal weg, wenn seine Kinder riskante Spiele spielen.
  • Die Malerei braucht Auge, Hand und Herz und sonst nichts.
  • Nicht der Ehrgeiz treibt mich, sondern eine scheinbar unstillbare Sehnsucht.
  • Im Weinen eines Kindes entfaltet sich das ganze Elend dieser Welt.
  • Der Gang zum Religionsunterricht in den fünfziger Jahren in Budapest war ein konspiratives Abenteuer. Später in den Sechszigern haben sie mich in West-Berlin als FDJW – Mitglied regelmässig bei Demos eingefangen.
  • Manchmal ist es die verzweifelung, die mich verstummen lässt. Manchmal das glück.
  • Glück und verzweifelung sind zwei aggregatzustände der gleichen essenz; des mensch seins.
  • Wer ver-zweifeln kann, der sollte das glück auch doppelt geniessen!
mehr von “etelka´s atelierweisheiten” finden sie unter: einblicke

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